Ernüchternd: Eine Studie legt die deutschen Aufsichtsrats-schwächen bloß

Ernüchternd: Eine Studie legt die deutschen Aufsichtsratsschwächen bloß

"Die Aufsichtsräte reagieren zu spät; sie kontrollieren nur die Resultate der Unternehmensstrategie, anstatt schon im Frühstadium die Geschäftspolitik zu überwachen. Das ist das zentrale Ergebnis einer Untersuchung des Lehrstuhls für Unternehmensführung der Universität Dortmund. Die Uni-Forscher befragten 46 Aufsichtsratsmitglieder deutscher Aktiengesellschaften in ein- bis zweistündigen Interviews. Eine umfassende strategische Überwachung halten die meisten Aufsichtsräte für unwichtig (siehe Grafik). Nur 6,7 Prozent der Befragten besprechen die strategischen Unternehmensziele mit ihrem Management, die überwiegende Mehrheit nimmt sie lediglich zur Kenntnis oder nickt sie ab.

Strategisches Defizit

Die Arbeit der Aufseher ist rückwärtsgewandt: Die meisten Kontrolleure orientieren sich an Kennzahlen wie dem Jahresüberschuss anstatt an Wertbeiträgen oder Cashflow-Größen, die für die Aktionäre maßgebend sind.
Der Aufsichtsrat ist zu zahm; er nutzt das Instrument der Zustimmungsverweigerung zu selten. Die Mehrzahl belässt es bei Stellungnahmen und Beanstandungen. Insgesamt ergebe sich ein "ernüchterndes" Bild der deutschen Aufsichtsratspraxis, sagt Philip Grothe, der Autor der Studie. Der Wirtschaftswissenschaftler sieht ein "erhebliches Verbesserungspotenzial" für die Arbeit der Kontrollgremien."

PDF: Manager Magazin 10/2005, S. 47